Nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit startete die Städtische Realschule Weißenhorn am 9. November 2012 mit einer Initialveranstaltung die in dieser Region sicherlich als Pilotprojekt anzusehende Kooperation zwischen der Realschule selbst und der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“.

25 Lehrkräfte der Realschule nahmen an der speziell für sie konzipierten Lehrerfortbildung zum Thema „Menschenrechtsbildung in der Schule“ teil. Einige hochkarätige Referenten, die zum Teil eigens aus Köln oder Frankfurt angereist waren, griffen dabei in ihren Vorträgen praxisnah verschiedene Themenbereiche auf, wie z. B. „Menschenrechte im Alltag einer Schule“ oder „Fächerübergreifender und fächerspezifischer Einsatz von Zeitzeugen und Autoren“. In einem Workshop wurden dabei u. a. ganz konkret Möglichkeiten der Menschenrechtsbildung an der Städtischen Realschule Weißenhorn erarbeitet.

Die Veranstaltung moderierte Lothar Heusohn, Fachbereichsleiter an der Ulmer Volkshochschule, der aber auch als Referent auftrat und im Vorfeld zusammen mit den Initiatoren des ganzen Projekts, dem Schulleiter Dieter Kreuzpaintner und dem zweiten Konrektor Hubert Miesauer, sozusagen das Konzept dieser Fortbildung erarbeitet hatte. Diese sollte aber nur der Beginn einer nachhaltigen Initiative zum Thema „Menschenrechte“ darstellen.

Aus diesem Grunde wurden die Lehrkräfte im Rahmen der Fortbildung auch durch eine Referentin auf den bereits feststehenden nächsten Projektbaustein – dieses Mal aber für Schüler – vorbereitet. Am 10. und 11. Dezember sollte es nämlich für alle 9. Klassen zu einem Projekttag an die KZ-Gedenkstätte am Oberen Kuhberg in Ulm gehen, um dort einen historischen Ort vielfach gebrochener Menschenwürde hautnah zu erleben.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde am 10.12.1948 in Paris verabschiedet und seither gilt dieser Dezembertag als „Internationaler Tag der Menschenrechte“.  Genau aus diesem Anlass heraus terminierte die Weißenhorner Realschule den Besuch des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg eben auf den 10. Dezember 2012. Aufgrund der hohen Schülerzahl (134 Schüler/innen der fünf neunten Klassen) entschied man sich jedoch schon im Vorfeld dazu, die Exkursion auch am Folgetag durchzuführen.

Gedenkstättenleiterin Nicola Wenge und deren Mitarbeiterin Annette Lein führten zuerst die Jugendlichen bei Eiseskälte und tiefem Schnee durch die Anlage des früheren Konzentrationslagers, besichtigten dabei neben dem Gelände und der ehemalige KZ-Kommandantur vor allem auch die Häftlingsunterkünfte. Dabei erhielten die Schüler grundlegende Informationen und einen realistischen Blick auf den damaligen Haftalltag von Täter und Opfer. Schnell begriffen die Neuntklässler diese Anlage als einen historischen Ort des Verlustes der elementaren Grundrechte eines Menschen. Besondere Betroffenheit erzeugten dabei die menschenunwürdigen Unterkünfte (Eiseskälte, Beengtheit, Keller ohne Tageslicht, Latrinen) und die Ausführungen darüber, mit welcher physischer und psychischer Grausamkeit die Inhaftierten monatelang aus reiner Willkür heraus entwürdigt und schließlich zerbrochen wurden. Die beiden Expertinnen stellten aber während der eindrucksvollen Rundgänge (in Kleingruppen) auch immer wieder Bezüge zur Gegenwart her und bauten somit Brücken zu den sich anschließenden Workshops.