Wenn kleine Mädchen im Steinbruch schuften

Realschüler gestalten Abend im Zeichen der Menschenrechte. Die Einnahmen wollen sie spenden.

Von Patrick Rebien
Weißenhorn

Ihre Stimme konnte die Zuhörer verzaubern: Mit einer einfühlsamen Interpretation von Xavier Naidoos Hit „Was wir alleine nicht schaffen“ zog Neuntklässlerin Annika Dietmann die rund 200 besucher eines Abends im Zeichen der Menschenrechte in der Weißenhorner Stadthalle ganz in ihren Bann. Der Song war einer der Höhepunkte in einem ganzen Reigen aus Darbietungen, die sich durchaus kritisch mit als Unrecht empfundenen Missständen auseinander setzten, mal schauspielerisch, mal malerisch und mal sängerisch.

Menschenrechte machen Schule – unter diesem Motto stand der Abend, den die Schüler der Städtischen Realschule Weißenhorn gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ in Ulm ins Leben gerufen hatten. Dabei wurde den Besuchern eindringlich vor Augen geführt, dass längst nicht in allen Teilen der Welt Freiheit und Gleichheit herrschen.

Im Foyer der Stadthalle war eine Bilderausstellung zu verschiedenen Menschenrechten zu sehen. Die Schaffensphase im Kunstunterricht war auf einem Film festgehalten worden und wurde nun präsentiert. Außerdem gab es einen Getränkeverkauf, an dem sich die Besucher mit fair gehandelten Waren aus dem Weißenhorner Weltladen eindecken konnten. Die Ulmer Amnesty-Gruppe zeigte ihre Präsenz an einem Stand, an dem unter anderem Petitionen unterzeichnet werden konnten. Zum Beispiel für einen in Afghanistan zum Tode verurteilten Kenianer, für den die Organisation eine Abmilderung des Urteils zur Haftstrafe erreichen will. Zur Eröffnung des Abends war eine Präsentation zu sehen, bei der zu jedem Eintrag aus der „allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ von Amnesty ein Bild gezeigt wurde. So wurde beispielsweise zu Artikel zwölf: „Freiheitssphäre des Einzelnen“ ein Foto des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, der nach Enthüllungen fliehen musste.

Eine Gitarrengruppe der Schule spielte das Lied „Freiheit“ von den Söhnen Mannheims, die Schulband bot den „Redemption Song“ von Bob Marley und schließlich ein von den Schülern selbst geschriebenes Lied mit dem Titel „Die Freiheit“. In der Stadthalle gab es auch zwei Theaterstücke zu sehen: Eines handelte von zwei indischen Schwestern im Kindesalter, die in einem Steinbruch und einer Fabrik schuften müssen, um für ihre Familien Geld zu beschaffen. Beide wünschen sich nichts sehnlicher, als eine Schule besuchen zu dürfen. Das andere erzählte die Geschichte eines brasilianischen Buben, der seine Eltern verlässt, schließlich als Schuhputzer auf der Straße landet und süchtig nach Klebstoff-Schnüffeln wird. Er wird von einem Freund gerettet, der ihn in ein Jugendzentrum bringt.

Auch Gedichte wurden inszeniert – am eindrucksvollsten von drei Realschülerinnen aus der sechsten Klasse, die ein Werk gegen Diskriminierung vortrugen. Es ging um grüne Männchen, die sich eine andere hautfarbe wünschen, diese wechseln und dann aber erneut zum Ziel von Anfeindungen werden.

Die neunten Klassen hatten den Blick in die Vergangenheit gerichtet – und berichteten jetzt über ihre Exkursion zum ehemaligen Konzentrationslager am oberen Kuhberg in Ulm.

Nach dem eindrucksvollen Abend spendeten die Besucher begeistert Applaus – und Geld: Der Erlös in Höhe von 1000 Euro geht an das Roggenburger „Projekt Schwarz-Weiß“, das Schulen und Krankenhäuser in Kenia baut.

http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Wenn-kleine-Maedchen-im-Steinbruch-schuften-id28727817.html