Menschenrechte machen Schule

Die Schüler der Realschule Weißenhorn "haben einen Traum": Sie wollen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen. Bei einer Projektpräsentation ist ihnen das gelungen. 200 Besucher waren begeistert. Menschenrechte.

LISA ROTHENBERGER | 08.02.2014

Die Schüler der Realschule Weißenhorn "haben einen Traum": Sie wollen auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen. Bei einer Projektpräsentation ist ihnen das gelungen. 200 Besucher waren begeistert.

Menschenrechte. Für die Kinder und Jugendlichen der sechsten bis zehnten Klassen der Weißenhorner Realschule war dieses Thema zuerst "schwer zu greifen und zu verstehen". Sie tasteten sich langsam künstlerisch, literarisch und musikalisch an die Sache heran. Am Donnerstagabend sahen die Besucher während einer Veranstaltung der Schule in der Stadthalle, was bei dem Projekt "Menschenrechte machen Schule" herausgekommen ist.

Der Abend begann mit einer Leinwandprojektion. Zentrale Artikel der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und aktuelle Fotos sorgten für einen aufrüttelnden Einstieg in das Thema (siehe Info-Box). Die Veranstaltung war musikalisch untermalt. Die Jugendlichen sangen und spielten neben bekannten Liedern wie "Freiheit" von den Söhnen Mannheims, Bob Marleys "Redemption song" oder "Was wir alleine nicht schaffen" von Xavier Naidoo auch eigene Kompositionen. In all diesen Stücken geht es um Zusammenhalt und Freiheit.

Zwischendurch führten die Weißenhorner Schüler kurze Theaterstücke auf, die Menschenrechtsverletzungen in der ganzen Welt thematisierten. In einem Stück stellten sie die Kinderarbeit für Hungerlöhne und das Kastensystem in Indien dar. Eine weitere Aufführung zeigte, dass es in Brasilien, dem Gastgeber der Fußball-WM in diesem Jahr, viel Hunger und Armut gibt. Andere Schüler wiesen auf die Kraft der Liebe hin. In einem Pantomimestück demonstrierten die Jugendlichen, dass die Liebe den Hass auf der Welt besiegen kann.

Ein von Sechstklässlerinnen geschriebenes und vorgetragenes Gedicht mit dem Titel "Sie sind grün" befasste sich mit dem Thema Diskriminierung: Das Gedicht beschreibt Menschen, die wegen ihrer Hautfarbe unglücklich sind. Mehrmals wechseln die Menschen ihre Hautfarbe. Zunächst ist sie rot, dann gelb und schwarz, schließlich weiß. Dann legen sie sich eine grüne Hautfarbe zu. Diese neutrale Farbe macht sie unabhängig und glücklich, wie es in dem Gedicht heißt.

Die Realschüler berichteten auch über eine Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Oberer Kuhberg in Ulm. Eine Schülerin sagte, dass es "gut ist, so etwas zu sehen. Denn meist kann man sich kein Bild davon machen."

Vor drei Jahren, zum 50-jährigen Bestehen von Amnesty International, ist die Idee für das Menschenrechtsprojekt an der Realschule entstanden. Im vergangenen Jahr haben Schüler und Lehrer anlässlich des 65. Jahrestags der Menschenrechtserklärung von Paris ihr Vorhaben dann auch in die Tat umgesetzt. Neben dem Besuch im früheren Ulmer KZ nahmen die Kinder und Jugendliche an thematisch passenden Workshops teil.

Die in dem Projekt gesammelten Ideen, Eindrücke und Arbeiten wurden schließlich am Donnerstagabend in einer bewegenden Abschlussveranstaltung zusammengetragen und vorgestellt. Rund 200 Besucher waren begeistert. Eine Mutter berichtete, "wie spannend es gewesen ist, zu sehen, wie Kinder dieses schwere Thema erleben". Auch die Schüler waren zufrieden. Auf die Frage, ob sie erneut an diesen Projekt teilnehmen würden, hieß es einstimmig: "Ja sofort!"

Konrektor Hubert Miesauer betreute und förderte die Schüler. Er ist mit dem Ergebnis "sehr zufrieden". Rund 1000 Euro dürfte die Schule bei der Veranstaltung eingenommen haben. Miesauer betonte, die Schule werde die Summe an das Kinderhilfsprojekt "Schwarzweiß" spenden.

Schulleiter Dieter Kreuzpaintner will sich dafür einsetzen, dass das Projekt nicht einschläft, wie er sagte. Kreuzpaintner hofft, dass es seiner Realschule gelingt, auch andere Schulen von der Bedeutung des Menschenrechtsthemas zu überzeugen: "Wenn wir es nicht schaffen, junge Menschen dafür zu begeistern, wen dann?"

http://www.swp.de/ulm/lokales/kreis_neu_ulm/Menschenrechte-machen-Schule;art4333,2441118