"Keiner tanzt aus der Reihe"

Unmittelbar vor dem Ende des Schuljahres haben sich Weißenhorner Realschüler mit dem Thema Menschenrechte befasst. Zu Gast war in der Schule auch ein Referent von Amnesty International.

DAVE STONIES | 31.07.2013

Vor dem Schulgebäude sitzen Sandra, Elena und Janis mit ihren Gitarren. Die Weißenhorner Realschüler schreiben an einem Song. "Freiheit ist begrenzt, sei glücklich, wenn du sie besitzt. Sie ist das Beste, doch viele besitzen sie nicht", singen sie. In einem Workshop haben sich die Realschüler in der Fuggerstadt mit Themen wie Freiheit, Unterdrückung und Menschenrechte beschäftigt. Sie erfuhren, dass auch heute noch weltweit Hautfarbe, Religion, Sprache oder Herkunft darüber entscheiden, ob ein Mensch in Freiheit leben kann. "Für uns ist das selbstverständlich, aber vielen geht es deutlich schlechter", sagt Janis.

Nur wenige Meter entfernt debattiert Sergio Vasely mit einigen Schülern. Er war vor vielen Jahren in Südamerika einmal inhaftiert. "Durch den Dialog mit den ausgewiesenen Experten und Referenten erleben unsere Schüler das Thema Menschenrechte sehr intensiv und mit allen Sinnen", sagt der stellvertretende Schulleiter Hubert Miesauer.

Seit Ende 2012 ist Menschenrechtsbildung Bestandteil des Projektplans an der Realschule. Die Lehrer greifen das Thema im Unterricht immer wieder auf. Die neunten Klassen haben im vergangenen Jahr das frühere KZ am Oberen Kuhberg in Ulm besucht.

Davide di Palo arbeitet für die Menschrechtsorganisation Amnesty International. Er zeigt den Schülern in Weißenhorn, wie das Thema Menschenrechte künstlerisch in einem Theaterstück thematisiert werden kann. Di Palo berichtet, dass die Kreativität aus dem Bauch heraus kommen müsse. Nur so könne man begreifen, wie elementar das Thema sei. In einer Übung stellten sich die Schüler in Reihen hintereinander auf, wobei der erste in der Reihe mit einer langsamen Bewegung beginnt, die Hinteren dieser Bewegung folgen. Es läuft sanfte Musik, nach wenigen Sekunden dreht sich die erste Person um 90 Grad, der Rest folgt, so dass ein anderer Schüler die Führung übernimmt. Das Ziel der Übung: "Keiner soll aus der Reihe tanzen", heißt es. So verhält es sich nach Überzeugung di Palos auch mit den Menschenrechten: Wenn einer aus der Reihe tanzt, dann ist das komplette System der Menschenrechte gefährdet.