Der Realschule Weißenhorn ist jetzt der Titel "Schule ohne Rassismus" verliehen worden. Sie ist eine von 1800 "Schulen mit Courage" in Deutschland.

PATRICK FAUSS |  

Er hatte ein Geschenk mitgebracht, das auch ein Auftrag ist. Michael Sell, Regionalkoordinator des bundesweiten Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage", überreichte am Samstagabend in der Fuggerhalle ein Schild mit diesem Slogan an die Realschule Weißenhorn. Es soll für jeden sichtbar im Eingangsbereich aufgehängt werden. "Ein Titel, der eigentlich nichts anderes ist als eine Selbstverpflichtung", wie Schulleiter Hubert Miesauer erläutert. Mehr als 70 Prozent der rund 740 Schüler hatten sich dafür schriftlich verpflichtet, gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt vorzugehen. Die Realschule ist damit eine von deutschlandweit bislang 1800 Schulen, die sich zu den Zielen des Projekts bekannt haben.

Am Samstagabend feierten Schüler und Lehrer vor rund 500 Besuchern die Titelverleihung mit Musik, Tanz und Theater. Mitglieder der Theater AG führten Stücke auf, die das Ziel des Projekts künstlerisch darstellten: Die schädlichen Folgen von Rassismus unter Jugendlichen wurden thematisiert. Außerdem ging es um ein Mädchen, das durch Mobbing sogar zu Selbstmordgedanken getrieben wird.

Vor fünf Jahren hatte die Schule begonnen, mit Coaches von Amnesty International zusammenzuarbeiten. Eine ehemalige Schülerin, Annika Dietmann, berichtete von den Auswirkungen dieser Projekte. "Es wird weniger gemobbt", sagte sie. Jene, die es versuchen, müssten nun eher fürchten, sich selber auszuschließen. Die Gemeinschaft an der Schule nehme sie als gestärkt wahr. Annika Dietmann war mit einem Youtube-Video, auf dem sie ein Statement gegen Rassismus abgab, zu sehen. Es wurde im Internet bereits über 2000 Mal angeklickt.

Per Video war Landrat Thorsten Freudenberger, Pate des Schulprojekts, am Abend präsent. Er beglückwünschte die Schule zur Verleihung und wies auf den ersten Artikel des Grundgesetzes hin, mit dem bekannten Passus: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Der größte Teil des Abends war von live gespielten Musikstücken und Vorführungen bestimmt. Ein Projektensemble hatte beispielsweise den Refrain des Stücks "Little Talks" der Gruppe "Of Monsters and Men" für ihren Auftritt umgeschrieben in "Ganz egal, wo deine Heimat ist, wir mögen dich so, wie du bist".

Zum Thema Flüchtlinge waren zwei Schülerinnen mit einem Video zu sehen. Sie hatten in einem Asylbewerberheim Interviews mit einer Familie geführt. Zum Schluss versammelten sich alle 85 Mitwirkenden zum gemeinsamen musikalischen Finale des Abends.

Ausgeschenkt wurde fair gehandelte Getränke des Weißenhorner Weltladens. Im Foyer waren Bilder zu sehen, die indische Straßenkinder und deutsche Kinder gezeichnet hatten. Mit der Preisverleihung hat sich die Schule verpflichtet, mindestens ein Mal im Jahr ein Projekt für Toleranz und Respekt zu starten.

 

Quelle: http://www.swp.de/ulm/lokales/kreis_neu_ulm/Feier-fuer-Mitmenschlichkeit;art4333,3550787