Der Direktor der Realschule geht in den Ruhestand

 

Foto: Andreas Brücken

Hubert Miesauer, Leiter der Realschule Weißenhorn, hört auf. Sein Abschied fällt ihm nach mehr als 30 Jahren im Beruf schwer.

Von Jens Noll

Fotos aus Namibia und Costa Rica zieren die Wände von Hubert Miesauers Büro. Die Aussicht darauf, bald vielleicht wieder mehr Zeit fürs Reisen zu haben, kann über eines nicht hinwegtäuschen: Dem Direktor der städtischen Realschule Weißenhorn wird der Abschied extrem schwer fallen, wie er selbst sagt. Nicht ganz freiwillig geht der 61-Jährige Ende August in den Ruhestand. „Ich hätte noch ein paar Jahre“, sagt er. Doch aus gesundheitlichen Gründen zieht Miesauer jetzt die Reißleine.

Nach vier Jahren in der Leitungsposition weiß der erfahrene Pädagoge: Direktor in Teilzeit – das funktioniert nicht. Also bleibt ihm auf Raten seiner Ärzte nur, ganz mit dem Schuldienst aufzuhören. Den Abschied will er am letzten Schultag klein im Kollegenkreis feiern. Neben Vertretern der Stadtverwaltung hat Miesauer auch seinen Vorgänger Dieter Kreuzpaintner eingeladen, ebenso den früheren Konrektor Manfred Till: „Den beiden habe ich viel zu verdanken“, sagt er.

Anfangs arbeitet er nebenher als DJ in Augsburg

Vor fast 32 Jahren, exakt an seinem 30. Geburtstag, fing Miesauer als Lehrer an der Weißenhorner Schule an. Damals besuchten noch knapp 400 Schüler die Einrichtung, aktuell sind es 670, die von insgesamt 50 Lehrern betreut werden. „In meiner Anfangszeit habe ich noch nebenher als DJ in Augsburg gearbeitet“, erzählt Miesauer, der ursprünglich aus Neuburg an der Donau kommt. Um sein Studium in Augsburg zu finanzieren, hatte er den Job in einer Hardrock-Disco angenommen.

Die Liebe zur Musik brachte der Deutsch- und Erdkunde-Lehrer auch in seinen Unterricht mit ein. So ließ er seine Schüler gerne Songtexte, unter anderem von Westernhagen und Rammstein, bearbeiten. „Das kommt bei ihnen tierisch gut an“, erzählt der 61-Jährige. Und: Unterricht sei für ihn nach wie vor die Wohlfühloase. Eine große Ehre sei es für ihn gewesen, 15 Jahre lang Vertrauenslehrer gewesen zu sein.

Das starke Wachstum der Schule beschäftigt ihn

Vor vier Jahren wurde der Direktor-Posten frei. Er habe als zweiter Konrektor lange gezögert, sich dann aber doch auf den letzten Drücker im Sinne der Schule beworben, sagt Miesauer. Im Rückblick spricht er von einer extrem arbeitsintensiven und turbulenten Phase. In seine Amtszeit als Schulleiter fielen unter anderem die Sanierung des Schulgebäudes bei laufendem Betrieb, der Aufbau und die Etablierung der offenen Ganztagsschule sowie die Einführung eines neuen Lehrplans. „Da müssen Sie die Lehrer anleiten und auf Fortbildungen gehen“, sagt Miesauer. Stark bemerkbar habe sich auch der Ausfall einer Konrektorin für zweieinhalb Jahre gemacht. Und neue, übergeordnete Entwicklungen: Als Beispiel nennt der 61-Jährige die Digitalisierung – „ich kann’s nicht mehr hören“. Wichtig ist ihm in seiner Amtszeit stets die Werteerziehung an der Schule gewesen. Seit 2015 ist die Realschule „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Viele Aktionen, um Werte zu vermitteln, gehörten zum Schulalltag, sagt Miesauer. So werde jedes Jahr ein Musical zum Thema Werte einstudiert.

Das starke Wachstum der Schule beschäftigt den Direktor noch bis zum Ende seiner Amtszeit: „Nächstes Schuljahr wird es wieder fünf fünfte Klassen geben“, erzählt er. Und neue Lehrer braucht es auch. Als städtische Einrichtung kann die Realschule ihr Personal selbst rekrutieren. Zur Suche nach seiner eigenen Nachfolge möchte sich Miesauer nicht äußern. Er sagt lediglich: „Ich wünsche mir für die Schule jemanden, der nicht sich, sondern die Schule profilieren will.“

Er will mehr Reisen und Motorradfahren

Den Unterricht und den Umgang mit den Schülern werde er in seinem Ruhestand am meisten vermissen, sagt Miesauer. Pläne für die Zeit ab September hat er genug, sein vorrangiges Ziel allerdings ist, seine gesundheitlichen Probleme wieder in den Griff zu bekommen. Danach will sich der Harley-Davidson-Fan, der selbst keine Kinder hat, wieder mehr Zeit für das Reisen und für das Motorradfahren nehmen. Und für sein Hobby, die Musik. „Ich habe 300 bis 400 CDs oder LPs zu Hause, die ich noch nicht angehört habe“, erzählt er. Fest steht jedenfalls schon jetzt: Auch seine letzte Rede als Direktor bei einer Abschlussfeier der Schule wird auf einem seiner Lieblingssongs basieren.

 

Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Der-Direktor-der-Realschule-geht-in-den-Ruhestand-id54774871.html