Aktionen - Schuljahr 14/15

Bühne für Menschenrechte: Schüler inszenieren Theaterstück SWP 24.11.2014

Wenn Theater auf das wahre Leben trifft: Die Premiere einer internationalen Schüleraufführung in Weißenhorn berührte nicht nur Themen des universellen Miteinanders, sondern auch die Gemüter der Zuschauer.

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren." Dass der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in der Wirklichkeit seinen Idealen hinterherhinkt, zeigte das internationale Schüler-Theaterprojekt in Weißenhorn bei seiner Premiere am vergangenen Samstag.

Zuschauer, die Ausgelassenheit und ein wildes Treiben erwartet hatten, wurden dort ebenso enttäuscht wie jene, die ein buntes Programm vermuteten. Melancholisch, still, nachdenklich brachten die knapp 60 Schüler der Realschule in Weißenhorn und der Friedrich-Schiller-Realschule in Langenau, gemeinsam mit aus Turin angereisten Schülern ein Stück auf die Bühne, dass vor allem eines war: bedrohlich.

"Wir wussten ja selber erst seit zwei Stunden, was wir spielen werden", sagte Julia Berger. "Wir hatten uns die Themen überlegt, uns in sechs Gruppen aufgeteilt, und dann sind Davide und Marco gegangen - und wir mussten schauen, was wir daraus machen." So beschrieb die 14-jährige Schülerin die Tage vor der Aufführung.

Die beiden italienischen Theaterpädagogen Davide Palo und Marco Pejrolo setzten bei der Vorbereitung des Stücks auf die Eigeninitiative der schauspielernden Schüler. "Das Konzept ist voll und ganz aufgegangen", kommentierte Lea Kronmüller, Lehrerin der Realschule Weißenhorn und dortige Leiterin der Theatergruppe. Sie ergänzte ganz hingerissen: "Das war Wahnsinn."

In sechs Szenen brachten die Jugendlichen ein stimmiges Gesamtkonzept auf die Bühne, das die Fülle von Einzelthemen, die die Menschenrechte betreffen, berührte: Gewalt, Ausgrenzung, Armut, Rassismus-, Frauen- und Kinderrechte. Ohne Kulisse, ohne Dialoge, unter einem schwachen blauen Dauer-Neonlicht, zeigten sie schauspielerisch gekonnt die Teilnahmslosigkeit weiter Teile der Gesellschaft auf. "Das hat mir die Tränen in die Augen getrieben", gestand ein Vater. Die 13-jährige Aylin Yüksel zeigte sich selbst überrascht von der Wirkung, die sie mit dem Stück hervorgerufen hatten. Es sei wichtig, angesichts der Vielfalt des Themenfelds den roten Faden nicht zu verlieren: die allgemeine Achtung der Würde des Menschen.

Kommenden Dienstag führen die Schüler in Turin ihre Inszenierung auf, die zum Schluss auf Wunsch aller Schauspieler mit einem Lied ein versöhnliches Ende fand: "We are the world, we are the children, we are the ones who make a brighter day so let's start giving. . ."

Südwestpresse, 24. November 2014 von Lisa Maria Sporrer (SWP)